Kulturtransfers – Beiträge zu einer transnationalen und transregionalen Geschichte der Moderne und der Gegenwart / Transferts culturels – Contributions à une histoire transnationale et transrégionale des mondes modernes et contemporains

Forschungsprogramm

Das Doktorandenkolleg „Kulturtransfers – Beiträge zu einer transnationalen und trans-regionalen Geschichte der Moderne und Gegenwart“ baut auf einer seit über 30 Jahren bestehenden Zusammenarbeit zwischen der École normale supérieure in Paris und der Universität Leipzig im Bereich der Kulturtransferforschung auf. Aus dieser Kooperation gingen zahlreiche gemeinsame wissenschaftliche Veranstaltungen hervor, deren Ergebnisse u.a. in den Bänden der Deutsch-Französischen Kulturbibliothek veröffentlicht wurden. Seit dem Studienjahr 2020/21 bieten die Partner das transnationale Online-Seminar „Kulturtransfers“ an. Es widmet sich der Erforschung von Kulturtransfers zwischen unterschiedlichen Regionen der Welt und geht damit weit über den Fokus auf deutsch-französische Beziehungen hinaus. Dabei wird das Verhältnis von Kulturtransferforschung, transnationaler Geschichte und trans-regionalen Studien an Beispielen aus der Forschungspraxis internationaler Referentinnen und Referenten diskutiert.

https://research.uni-leipzig.de/transfertsculturels/de/kulturtransfer/

 

Darauf aufbauend steht im Mittelpunkt des Doktorandenkollegs die Erforschung kultureller Transfers und transnationaler Prozesse. Der in Paris und später an zahlreichen weiteren Orten entwickelte Ansatz reagiert auf die vergrößerte Aufmerksamkeit für grenzüberschreitenden Austausch und Verflechtungen seit den 1980er Jahren. Er stellt den noch immer weithin anzutreffenden methodologischen Nationalismus grundsätzlich in Frage und untersucht an konkreten Beispielen, wie sich Gesellschaften erst durch die Aneignung des Fremden, also durch kulturelle Transfers, konstituieren und entwickeln. Auf diese Weise wurde die Erforschung kultureller Transfers zu einem wichtigen Impuls für jene Globalisierungs-forschung, die davon ausgeht, dass der Hauptantrieb für gesellschaftliche Entwicklung unter der global condition nicht die inneren Spannungen und Widersprüche einer (territorial gedachten) Gesellschaft sind, sondern die Interaktionen zwischen Gesellschaften.

 

Das Doktorandenkolleg ist bewusst offen für verschiedene Disziplinen der Geistes- und Sozialwissenschaften sowie für die gesamte Breite der Regionalwissenschaften, die alle ihren Platz in der Untersuchung grenzüberschreitender Prozesse haben. Die bilaterale Ausbildung zielt auf eine systematische Zusammenführung der stärker philologisch-kulturwissen-schaftlich ausgerichteten Kulturtransferforschung in Paris und der stärker globalhistorisch und transregional ausgerichteten Perspektiven in Leipzig. Ziel des Kollegs ist es, neue Ansätze der Kulturtransferforschung zu vermitteln und zu fördern, indem es diese mit dem gesamten Spektrum der transnationalen und transregionalen Vergleichs- und Verflechtungsanalysen und mit Methoden der Digital Humanities verbindet. Zugleich fördert es die Auseinander-setzung mit Fragen der Interkulturalität, Mehrsprachigkeit und Übersetzung in Theorie und Praxis.   

 

Beteiligte Institutionen

Das Deutsch-Französische Doktorandenkolleg beruht auf einer Kooperation der École doctorale ED540 Lettres, Arts, Sciences Humaines et Sociales der École normale supérieure-Paris Sciences & Lettres und der Graduate School Global and Area Studies sowie dem Frank-reichzentrum der Universität Leipzig.

Die ED540 ist eine Doktorandenschule der École normale supérieure und Teil des Pariser Universitätsnetzwerks Paris Sciences & Lettres (PSL). Sie deckt ein breites Spektrum an Fachgebieten in den Sozial- und Geisteswissenschaften und darüber hinaus ab.

Die Graduate School Global and Area Studies (GSGAS) der Universität Leipzig bildet Promovierende und Postdocs aus den Regional-, Geschichts-, Kultur- und Sozialwissen-schaften aus. Die GSGAS ist ebenso wie das Frankreichzentrum Teil des Research Centre Global Dynamics der Universität Leipzig. Die Ausbildung der Promovierenden im inter-nationalen und interdisziplinären Graduiertenstudiengang erfolgt überwiegend auf Englisch.

Weitere Informationen zu den beteiligten Institutionen:

 

Struktur des Kollegs

Das Doktorandenkolleg bietet ein strukturiertes Ausbildungsprogramm als Spezialisierungs-richtung innerhalb der Promotionsstudiengänge auf Pariser und Leipziger Seite an. Es fördert darüber hinaus Aufenthalte der Promovierenden an der jeweiligen Partnerinstitution und gewährt dafür Mobilitätsbeihilfen. Die Promovierenden können ein Abschlusszertifikat erwerben, das sowohl von der École normale supérieure als auch von der Universität Leipzig ausgestellt wird. Das Kolleg stellt keine Grundfinanzierung der Promotion zur Verfügung, die Mobilitätsbeihilfen sind jedoch mit haushaltsfinanzierten Doktorandenstellen der beteiligten Hochschulen oder anderweitigen Förderungen von Drittmittelgebern kombinierbar. 

 

Das Deutsch-Französische Doktorandenkolleg bietet:

  • ein bilaterales Promotionsstudium an zwei exzellenten Forschungsstandorten in Leipzig und Paris mit breiter interdisziplinärer Expertise in der Analyse interkultureller, transregionaler und globaler Prozesse sowie Zugang zu deren internationalen Netzwerken;
  • ein methodologisches Modul zur Einführung in die Kulturtransferforschung, das das bilaterale Online-Seminar „Kulturtransfers“, ein begleitendes Tutorium sowie weitere E-Learning-Elemente umfasst;
  • eine Reihe von Modulen, die je nach Spezialisierung der Promovierenden aus den Programmen der GSGAS und der ED 540 ausgewählt werden können und breitere Expertise in Globalgeschichte, transregionalen Studien, Digital Humanities, Kunst- und Kulturwissenschaften, vergleichender Textwissenschaft uvm. vermitteln;
  • zwei jährliche Workshops aller Beteiligten des Kollegs, von denen einer hybrid und einer abwechselnd in Leipzig und Paris stattfindet;
  • zusätzliche Angebote im Bereich von Schlüsselqualifikationen, Karriereentwicklung und Sprachförderung sowie individuelles Mentoring;
  • die Möglichkeit von Mobilitätsbeihilfen sowie eines Doppelabschlusses (Cotutelle).

 

Mitwirkende

Sprecherinnen

 

Beteiligte Forscherinnen und Forscher

Universität Leipzig:

 

École normale supérieure (ENS-PSL) Paris:

 

Bewerbung und Kontaktpersonen

Bewerben können sich Promovierende, die zum Zeitpunkt des Beginns der Förderung an einer der Partnerinstitutionen eingeschrieben sind, in begründeten Fällen ist auch die Förderung von Postdocs möglich. Voraussetzung für die Bewerbung sind außerdem ein thematisch passendes Promotionsprojekt sowie Grundkenntnisse in Deutsch und Französisch. Der Beginn des Promotionsstudiums sollte in der Regel nicht länger als drei Jahre zurückliegen (begrün-dete Ausnahmen sind möglich). Erwartet wird die aktive Teilnahme am Ausbildungs-programm des Kollegs. Die Mobilitätsbeihilfe in Höhe von monatlich 600 € wird für Aufent-halte im Partnerland von mindestens zwei Wochen und maximal 18 Monaten Dauer gewährt und kann flexibel auch über mehrere Jahre verteilt in Anspruch genommen werden. Es erfolgt keine Förderung von Reisen im Wohnsitzland. Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an die Sprecherinnen des Kollegs Dr. Antje Dietze (adietze(at)uni-leipzig.de) und Dr. Anne Saada (anne.saada(at)ens.psl.eu).   

 

Bewerbungsverfahren

Bei der Bewerbung sind folgende Unterlagen (in deutscher oder französischer Sprache) einzureichen: Lebenslauf, Abschlusszeugnisse, Exposé des Dissertationsprojektes und Arbeitsplan (3–5 Seiten), Motivationsschreiben (1–2 Seiten). Bitte senden Sie diese bis zum 28. November 2022 per Email an Dr. Antje Dietze (adietze(at)uni-leipzig.de) und Dr. Anne Saada (anne.saada(at)ens.psl.eu).