Zirkulationsweisen afrikanischen Wissens

Zirkulationsweisen afrikanischen Wissens. Präsenz und Rezeption akademischer Literatur aus Afrika in Deutschland und Frankreich

Doktorandin: Ninja Steinbach-Hüther

Cotutelle-Verfahren mit der Universität Leipzig und der Ecole normale supérieure, Paris

Betreuer: Professor Matthias Middell (Universität Leipzig) und Professor Michel Espagne (Ecole normale supérieure, Paris)

Die Dissertation wird im Cotutelle-Verfahren geschrieben. Die Promovendin wird von der Deutsch-Französischen Hochschule in Saarbrücken mit einem Reisestipendium gefördert.

 

Obwohl zunehmend internationale Vernetzungen zu der Annahme verleiten, dass Informa-tionen überall auf der Welt gleichberechtigt produziert und rezipiert werden können, sind die Landkarten des Wissens von einem enormen Ungleichgewicht geprägt. Kulturelle sowie ökonomische und politische Markt- und Machtstrukturen können hierfür eine Rolle spielen.

Mein Promotionsvorhaben untersucht dies exemplarisch am Beispiel des trilateralen, mehrdimensionalen Transfers afrikanischer akademischer Literatur nach Deutschland und Frankreich seit den 1960er Jahren mit dem Ende der direkten Integration vieler afrikanischer Gebiete in den kolonialen Herrschaftsbereich europäischer Mächte bis in die Gegenwart.

Denn obwohl die Direktpublikation im Globalen Norden nach wie vor hinreichend praktiziert wird – wenngleich vielseits in die Kritik geraten – bestehen über den Umfang afrikanischer akademischer Literatur, die in Deutschland und Frankreich publiziert wurde, bisher keine gesicherten Kenntnisse. Das Erkenntnisinteresse der Arbeit besteht demzufolge darin, zu überprüfen, welches ‚wissenschaftliche Afrika‘ letztlich Einzug in beide nationale Buchmärkte und dadurch auch in die wissenschaftliche Auseinandersetzung damit erhielt.

Ich folge dabei einem Verständnis von kulturellen Transfers, wie es Espagne, Lüsebrink und Werner entwickelt haben und welches für diese Arbeit wichtige theoretische und auch praktische Ansätze liefert. Das methodische Vorgehen orientiert sich an einer aus dem Konzept des Kulturtransfers bekannten Methoden-verknüpfung, um eine umfassende Rekonstruktion des gesamten Transferprozesses sowohl quantitativ und klassifikatorisch als auch qualitativ durchzuführen.

Zunächst wurde die Gesamtheit der auf dem deutschen und französischen Buchmarkt zirkulierenden gesellschaftswissenschaftlichen Publikationen erhoben, die von Autoren und Autorinnen stammen, die zur Zeit der Publikation in Afrika lebten oder zwischen afrikanischen und außerafrikanischen Standorten pendelten.

Derzeit werden die Ergebnisse des französischen Untersuchungsbereichs ausgewertet, um daraufhin qualitativ und vergleichend mit den Ergebnissen des deutschen Bereichs der Analyse untersucht werden zu können.